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Kurzfilmportrait „Die Volkshochschule, ein Ort der Übergänge“ (2019) https://youtu.be/5G94fyJ1beEhttps://youtu.be/Af7B4grtUPs (barrierefreie Version mit Untertiteln)

Übergänge 60plus auf der „Langen Nacht der Volkshochschulen – 100 Jahre Wissen teilen“ in der Volkshochschule Berlin Mitte am 20. September 2019

Gesprächssalon Übergänge 60plus: Diskussion über die Rolle von Bildung in persönlichen Übergangszeiten

Diskussionsrunde (von links nach rechts): Sabine Weißler, Marion Alessandra Becker, Ursula Diehl, Elisabetta Gadonni, Leicy Valenzuela, Aiga von Hippel.
 

Die „Lange Nacht der Volkshochschulen“ am 20. September 2019 war bundesweit eine Gelegenheit für Volkshochschulen, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und Einblicke in ihre Bildungsarbeit zu geben. So war auch das Haus der Volkshochschule Berlin Mitte in der Linienstraße für einen Abend weit geöffnet und bot in seinen Räumen ein repräsentatives Programm mit meist kurzen „Bildungshäppchen“ aus dem breiten Spektrum der Kurse der Volkshochschule. Und die Nacht wurde lang und es kamen viele Besucher*innen, um zu hören und zu diskutieren oder mit dem Körper zu arbeiten. Schließlich lockte auch der Hof des großen Gebäudes in Mitte mit kulinarischen Angeboten und Liveauftritten internationaler Musiker, von deren Darbietungen sich auch einige Leute zum Tanzen animieren ließen. Gute Stimmung und Lust auf Bildung, das passte zu 100 Jahren Volkshochschule, die zu einer starken Einrichtung für lebenslanges Lernen gewachsen ist

Diskussion im Gesprächssalon Übergänge 60plus

Die „Lange Nacht“ wurde mit einer Podiumsdiskussion im „Fishboul“-Format,  also mit einem freien Stuhl für Diskutierende aus dem Publikum, eröffnet. Teilnehmerinnen auf dem Podium waren: Sabine Weißler, Bezirksstadträtin für Weiterbildung und Kultur im Bezirksamt Mitte von Berlin, Prof. Dr. Aiga von Hippel, Lehrstuhl Erwachsenen- und Weiterbildung an der Humboldt-Universität zu Berlin, Leicy Valenzuela, Kursleiterin im Programmbereich Gesundheit und frühere Deutschkurs-Teilnehmerin an der Volkshochschule, Marion Alessandra Becker, Schauspielerin und frühere Teilnehmerin am Institut für Schauspiel-, Film- und Fernsehberufe (ISFF) der Volkshochschule Berlin Mitte, Ursula Diehl, ehemalige Direktorin der Volkshochschule Berlin Mitte. Moderatorin war die Journalistin Elisabetta Gadonni vom RBB. Vorbereitet, konzipiert und koordiniert wurde die Podiumsdiskussion von Moni Schopp von der Projektgruppe Übergänge 60plus.

Zur Veranstaltung im Haus der Volkshochschule in der Linienstraße waren viele Zuhörer*innen gekommen, die von Volkshochschuldirektor Michael Weiß begrüßt wurden. Bezirksstadträtin Sabine Weißler eröffnete die „Lange Nacht der Volkshochschulen“. Die Bildungspolitikerin wies auf die hohe Wertschätzung, die den Volkshochschulen anlässlich ihres 100jährigen Bestehens in der öffentlichen Meinung entgegengebracht wird und nannte zwei Beispiele, die sie für außerordentlich bemerkenswert hielt: Einmal die Festrede des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Professor Dr. Dr. h.c. Andreas Voßkuhle , die er am 13. Februar 2019 in der Frankfurter Paulskirche zum Thema „Der Bildungsauftrag des Grundgesetzes“ vor Gästen aus Politik, Bildung und Zivilgesellschaft gehalten hat. Zum anderen die sehr positiven Äußerungen der taz, die es in einer Schwerpunktausgabe der Zeitung mit dem Titel „God save the Volkshochschule“ gegeben hat.   

Bevor die Diskussion begann, machte Moderatorin Elisabetta Gaddoni auf die Arbeitsgruppe Übergänge 60plus aufmerksam, deren Mitglieder Moni Schopp, Stefani Majer, Sigrid Engelbrecht und Ewald Schürmann sich mit ihren Arbeitsschwerpunkten in diesem Projekt kurz vorstellten. Die Volkshochschuldozent*innen haben sich seit einiger Zeit mit Fragen des Übergangs vom Beruf ins Rentenalter intensiv auseinandergesetzt und wollen künftig zu verschiedenen Aspekten dieses Themas Veranstaltungen an der Volkshochschule durchführen. Angeregt von ihren Diskussionen kam der Vorschlag, anlässlich des Hundertjahresjubiläums grundsätzlich der Frage nachzugehen, welche Rolle Bildung in Lebensphasen des Übergangs spielt und wie die Volkshochschulen in dieser Situation durch ihre Angebote und Impulse Unterstützung bieten können. Die Moderatorin zitierte angesichts der Vorhaben der Gruppe den Mutmacherspruch Eckart von Hirschhausens mit den Worten „Das Alter sei kein Abstieg, sondern ein Leben für Fortgeschrittene“. Auf die Frage, wie sich heute die aktuelle Rolle der traditionsreichen Volkshochschulen darstellt, erinnerte die Stadträtin zunächst an solche Kursangebote in früheren Zeiten wie das Nähen oder Schreibmaschinenschreiben. Heute ist der Bedarf an qualifizierter Fortbildung gewachsen und die Volkshochschulen haben sich verändert und ihr Profil auf das lebenslange Lernen eingestellt. Sie sind zu Orten geworden, wo sich Bildung im Sinne von Offenheit, Neugierde und Ermächtigung (Empowerment) entfalten kann. Durch ihre Zugänglichkeit für alle Bürger sind die Volkshochschulen auch zu einem wichtigen Akteur für eine gelebte Demokratie geworden, wo der Diskurs über gesellschaftliche Themen lebendig gehalten wird. Auf die Frage, ob das Internet nicht den Bildungsort der Volkshochschule schwäche, antwortete Sabine Weißler, dass nichts die authentische soziale Erfahrung des Miteinanders ersetzen könne. Zwar haben auch individuelle Lerntechniken am Computer und zuhause am Schreibtisch ihre Notwendigkeit, aber unerlässlich sei doch, dass sich Menschen treffen und dabei erleben, wie sich ihr Leben durch Wissensaneignung erweitert. Dabei bleiben Menschen intellektuell in Bewegung und dafür ist der Ort der Volkshochschule so wichtig.

Momente der „Übergänge“-Diskussion: (von oben nach unten von links nach rechts) Sabine Weißler und Michael Weiss, Stefani Majer und Moni Schopp neben Moderatorin Elisabetta Gaddoni, Ursula Diehl links neben der Moderatorin, Leicy Valencuela mit der Moderatorin, eine frühere Kursleiterin der Volkshochschule als Fishboul-Gast rechts neben Prof. Dr. Aiga von Hippel.

Aiga von Hippel bemerkte ergänzend zu den Ausführungen von Sabine Weißler, dass sich die einige Zeit gehegte Utopie erledigt habe, es könne durch virtuelle Lernangebote ein breiteres Zielpublikum erreicht und somit ein Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheit geleistet werden. Zur Frage der Bedeutung der Erwachsenenbildung bei der Begleitung von Lebensübergängen führte die Wissenschaftlerin aus: Übergänge spielen sich in einem breiten Spektrum ab und erstrecken sich über berufliche und private Bereiche. Bildung in Übergängen stellt sich dabei als transformative Bildung oder Veränderung dar, bei der sich Menschen in ihrem Verhältnis zu sich selber, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt verändern. Dabei sind die Bildungsangebote der Volkshochschulen gut geeignet, weil sie unterschiedliche Funktionen erfüllen und Erträge erreichen, die zu beruflicher Innovationsfähigkeit, Identitätsentwicklung, Empowerment oder auch zu kultureller und politischer Teilhabe führen können. Erwachsenenbildung sei deshalb auch immer gesellschaftliche Teilhabe bzw. ermögliche diese. Statistiken besagen, dass ca. die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung an mindestens einer Weiterbildung im Jahr teilgenommen hat.

Interessant sei ein Zitat des Philosophen Julian Nida-Rümelin „Jede Bildungsanstrengung offenbart ein Menschenbild“. Dies mache darauf aufmerksam, wie sich Menschen ihre Bildung suchen und dabei jeweils eigene Vorstellungen von ihrer eigenen Bildsamkeit und Lernfähigkeit, ihre Ziele, Mittel und Wege verfolgen. Das meint aber auch die Bildungsanstrengungen der Lehrenden, die bei ihrer Angebotsplanung von bestimmten Menschenbildern und Vorstellungen über die Lernenden ausgehen und diese interpretieren. Der Erwachsenenbildner Hans Tietgens habe dies mit dem Begriff der „anthropologischen Suchbewegungen“ umschrieben. Die Menschen suchen nach den für sie passenden Bildungsangeboten.  Andererseits suchen auch die Lehrenden an den Volkshochschulen nach passenden Bildungsangeboten und interpretieren dafür die Bedarfe der Lernenden.

Auf die Frage der Moderatorin, wie ältere Menschen lernen und ob dabei Motivation eine besondere Rolle spiele, antwortete die Wissenschaftlerin, dass grundsätzlich nach einem Schulabschluss und damit der Beendigung der Schulpflicht im weiteren Leben Motivation zum Weiterlernen erforderlich sei. Lebenslanges Lernen fände ohne Altersbegrenzung statt und wie Ältere lernen, könnte diese Generation am besten selbst beantworten.

Eine weitere Frage an Prof. von Hippel bezog sich auf erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Humboldt-Universität zur beruflichen Weiterbildung an Volkshochschulen. Unter dem Dach der öffentlichen Verantwortung, unter der insbesondere die Volkshochschulen stehen, sind die Pole weit aufgespannt und deshalb wird Weiterbildung im Erwachsenenalter an dieser Einrichtung des lebenslangen Lernens sehr gründlich interpretiert und ausgestaltet. So werden alle Zielgruppen und Altersgruppen berücksichtigt. Die Aktivitäten der Volkshochschulen reichen auch in andere Bildungsketten hinein, von der Erstausbildung bis in Richtung der Universitäten, wobei es dabei immer wieder um Bildungsschritte des Übergangs geht. Es hat sich gezeigt, dass es eine Zunahme von Angeboten des Coaching und der Beratung bzw. Angebote gibt, die auf persönliche Gestaltungsräume abstellen. Auch fällt auf, dass sich die Ausschreibung von Kursangeboten immer mehr auf das Erreichen breiterer Zielgruppen richtet. Die Transparenz von Angeboten hat ebenfalls zugenommen, womit für die Beratung von interessierten Teilnehmenden an Volkshochschulkursen eine wichtige Grundlage geschaffen wird.   

Wie sich Übergänge persönlich ereignen und gestalten, wird an biografischen Erzählungen anschaulich. Moderatorin Gaddoni stellte eine Frau vor, deren Übergänge von einem Land in mehrere andere, von einer Sprache in neue und von einem Beruf in weitere gekennzeichnet sind. Die Chilenin Leicy Valencuela hat sich von Südamerika nach Indien und danach nach Deutschland bewegt, die spanische sprechende Frau hat Hindi und Deutsch gelernt, beruflich hat sie nach der Schauspielerin sich zur Yogalehrerin und zum Master für Theaterpädagogik qualifiziert und arbeitet heute in drei Berufen. Schließlich ist sie auch noch Mutter eines Kindes.  In Berlin hatte sich durch einen Zufall ergeben, dass sie von der Teilnehmerin an einem Deutschkurs der Volkshochschule zur Kursleiterin in Yoga in spanischer Sprache wurde. Die Volkshochschule suchte gerade eine entsprechende Yogadozentin und Leicy Valencuela erfuhr davon, bewarb sich und bekam die Kursleiterstelle. Damit begann ihr Einstieg in die Berufswelt in Deutschland, wobei sie ständig intensiv Deutsch lernte. Daneben absolvierte sie einen Masterstudiengang an der Universität der Künste. Nach ihrer Einschätzung hat sich ein Lebensprinzip schon in ihrer Kindheit ausgeprägt, dass niemand zu ihr „nein“ sagen durfte und sie sich nahm, was sie haben wollte. Mit dieser Einstellung konnte sie ihre gewünschten Wege gehen und viele Barrieren überwinden. In Berlin kam ihr entgegen, dass sich für Übergänge in gewählte Berufsbereiche gute Gelegenheiten ergeben können. Dazu gehört z.B. das Gorki-Theater, das viele Möglichkeiten für ausländische Schauspieler bietet. Vom Yoga hat sie gelernt, sich zu fokussieren und das loszulassen, was stört. Die Moderatorin kommentierte diesen Lebenslauf mit allen Höhen und Tiefen, auch mitunter harten Phasen existentieller Not, als vielleicht emblematisch für eine Generation, die mit starken Umbrüchen leben und diese durch immer neue Übergänge bewältigen muss. 

Im Alter von 50 Jahren entschied sich Marion Alessandra Becker, ihren sicheren und einträglichen Bürojob aufzugeben, um sich zur Schauspielerin umschulen zu lassen. Sie hatte schon immer Lust auf das Theater gehabt und wagte nun den radikalen Übergang in einen ungesicherten Beruf. Sie wollte etwas in ihrem Leben ändern und Neues ausprobieren. Diese Entscheidung zog sich über 10 Jahre hin, aber das Gefühl, auf eine Depression zuzusteuern, beschleunigte schließlich den Bruch mit ihrem früheren Berufsleben, was sie als lebensrettende Maßnahme empfand. Ihre Eltern waren besorgt, aber ihr Mann unterstützte sie bei diesem Experiment. Nach 30 Jahren Arbeit konnte sie mit dem Arbeitslosengeld 1 zunächst ein Jahr gut überbrücken. Auch diverse Zusatzversicherungen konnten aufgelöst werden, um die ziemlich kostspielige Weiterbildung zu finanzieren. Die Umschulung an einer staatlichen Schauspielschule war wegen der Altersbegrenzung nicht möglich. So geriet sie an die Volkshochschule. Zunächst gab es bei ihr Vorbehalte, da diese Einrichtung als zu wenig geeignet erschien, eine berufliche Qualifizierung durchzuführen. Doch beim Studium eines Volkshochschulprogramms wurde sie eines besseren belehrt und so begann sie Kurse im Bereich „Regie“ zu besuchen. Weiterhin besuchte sie Kurse zu den Themen „Camera-Acting“ und „Stimmbildung“. Danach bewarb sie sich am Institut für Schauspiel, Film- und Fernsehberufe (ISFF) der Volkshochschule Berlin-Mitte, wurde auch angenommen trotz ihrer relativ geringen Vorkenntnisse und konnte sich dort weiterbilden. Sie war unter den anderen Kursteilnehmer*innen immer die älteste mit einer Altersdifferenz von etwa 20 Jahren. Trotz den Schwierigkeiten, als ältere Schauspielerin und als Frau in dieser Berufssparte Jobs zu bekommen, findet Marion Alessandra Becker, dass sie eine gute Position erreicht hat. Pro Jahr hat sie Engagements für ein bis zwei Theaterproduktionen im Bereich der freien Theater (Off-Theater) und sie hat bei einigen Kurzfilmen und bei Kinofilmen mitgewirkt. Inzwischen kommen Anfragen, sie muss aber auch intensives Networking und Marketing betreiben, was viel Arbeit macht. Der Übergang von einer festgefahrenen Berufssituation in einen Wunschberuf ist gelungen.   

Ursula Diehl war lange Jahre Direktorin der VHS Wedding bzw. nach der Wende der VHS Berlin-Mitte und zuletzt noch Amtsleiterin im Bezirksamt Mitte von Berlin. 2005 ging sie dann etwas früher in den Ruhestand bedingt durch eine belastende Lebenssituation. Auf die Frage von Moderatorin Elisabetta Gaddoni, wie sie die dabei entstandenen „harten Übergänge“ bewältigen konnte, antwortete Ursula Diehl, dass es dafür keine Rezepte gab, sondern es notwendig war, eine „Tastarbeit“ auf sich zu nehmen. Angesichts eines „zerbrochenen Lebens“ kam zunächst der Wunsch auf, Distanz zu finden. Dies war möglich durch ein „Fluchtjahr“ ins Ausland, wo sie bei Freunden lebte. Diese Distanz führte zu Klärungen und warf wichtige Grundfragen auf. So kam sie auf die Notwendigkeit, ihre Perspektiven zu wechseln. Das ging durch zähe Alltagsübungen, wie z.B. mit vielen eingespielten Routinen zu brechen. So erfuhr sie, dass das Leben auch anders gehen kann als es bisher verlief. Dabei war auch der Rollenwechsel von der Volkshochschulleiterin zur Kursteilnehmerin möglich. Sie versuchte, in einem Schreibkurs das Projekt einer Autobiografie anzugehen. Nach gründlicher Überlegung entschied sie sich aber dagegen und fand ein anderes Format, das sie künftig noch realisieren möchte. Während dieser Zeit der „Orientierungsturbulenz“ – wie sie es nennt – wurde ihr klar, dass die Volkshochschule, die meist darauf verengt gesehen wird, Menschen im Berufsleben zu helfen, viel stärker als eine Institution gesehen werden sollte, die persönliche Lebenssituationen von Menschen aufnehmen müsste und dabei Hilfestellung anbieten sollte. Diese Volkshochschule hätte Ursula Diel gerne in ihrer Krisenzeit gefunden, was leider ausblieb. So hätte sie hilfreich gefunden, wenn eine Art Coaching als Angebot vorhanden gewesen wäre. Zu bedenken sei dabei, dass persönliche Bildung immer eine Vertrauensfrage sei und deshalb stünde es einer Volkshochschule an, das Bildungsvertrauen der Menschen zu gewinnen. In diesem Sinne verstand Ursula Diehl auch Aussagen aus der Diskussionsrunde, dass für die persönliche Orientierungsarbeit von Menschen im Übergang, die Volkshochschule in den Stand gesetzt werden müsse, coachingartige Beratung in besonderen Situationen leisten zu können. Um dies zu finanzieren, wäre sicherlich ein gesonderter Haushaltsansatz erforderlich. Vermisst in ihrer schwierigen Lebenslage hatte sie auch ein Format für einen Erfahrungsaustausch unter dem Dach der Volkshochschule für Menschen in Umbrüchen. So könnten sich Menschen in ähnlichen Situationen austauschen und hilfreiche Informationen über Möglichkeit der Unterstützung gegenseitig weitergeben.  Vor mehr als 20 Jahren gab es schon einmal ein Projekt „Erfahrungswissen Älterer“ von der Technischen Universität Berlin und der damaligen Volkshochschule Wedding. Leider ging das Projekt bald zu Ende. Heute seien gute Ansätze in dem Vorschlag zu erkennen, einen Gesprächssalon aufzubauen, um regelmäßig Themen zu diskutieren über Fragen, die an die Volkshochschulen gerichtet würden. Auch Werkstattgespräche zwischen Menschen, die auf einer bestimmten Suche sind, wären ein sinnvolles Format. Als Beispiel nannte Ursula Diehl ein Angebot der Musikschule, die Kindern ermögliche, sich in einem „Instrumentenkarussell“ der verschiedensten Musikinstrumente zu bedienen und diese auszuprobieren. So könnte doch auch die Volkshochschule ein solches Karussell anbieten, in dem sich Menschen in den verschiedensten „Kurshäppchen“ ausprobieren, um so das für sie passende Kursangebot zu finden. Das würde eine ausprobierende Lebenshaltung ermöglichen und Potenziale freisetzen, die nur in einer solchen Laborsituation gefunden werden könnten. Hier würde die Volkshochschule im besten Sinne ein lebensbegleitendes Lernen unterstützen und zu einem vertrauensvollen Ort werden, wo persönliche Bildung und insbesondere persönliche Bildungssuche stattfinden kann. 

Die Gelegenheit zur Fishboul-Diskussion nutzten eine Besucherin und ein Besucher der Veranstaltung und setzten sich zeitweise auf das Podium. Dabei sprach eine frühere Kursleiterin einer Volkshochschule darüber, dass viele ältere Menschen noch gerne lernen wollen, aber es nicht mehr schaffen, längere Wege zu für sie interessanten Bildungsangeboten in weiter weg liegenden Orten zu gehen. Eine Lösung wäre, an nahen öffentlichen Orten, wie Bibliotheken oder Nachbarschaftstreffs Kurse anzubieten. Auch sollten die Preise der Volkshochschulkurse für Menschen mit kleiner Rente angepasst werden. Wichtig für ältere Menschen mit gewachsener Lebenserfahrung und Qualifikation wäre ein von- und miteinander Lernen im Austausch der Generationen. Es sollten auch lockere Formen des gemeinsamen Treffens an der Volkshochschule möglich sein, wobei dann auch ein gegenseitiges Lernen zustande käme, wie z.B. beim gemeinsamen Kochen und dem Austauschen von Wissen über Rezepte und Ernährung.

Ein Kursleiter der Volkshochschule Berlin-Mitte regte in internationaler Hinsicht an, Ideen an den Volkshochschulen umzusetzen, die sich an den Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDG) der UNO-Mitgliedsstaaten orientieren. 

Präsentation eines Kurzfilmportraits: „Die Volkshochschule – ein Ort der Übergänge“

Die im Film portraitierte Orieta Natacha Soza Gajardo (links) mit der Filmemacherin Stefani Majer und dem Filmemacher Gabriele Nugara)

Auf der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ wurde der Kurzfilm ÜBERGÄNGE – die A. und die O. von Stefani Majer und Gabriele Nugara vorgeführt. Der Film ist ein Projekt von Übergänge 60plus. Die Zuschauer waren sehr angetan von der Geschichte zweier Frauen, die unter ganz unterschiedlichen Bedingungen und aus verschiedenen Generationen ihre Lebenssituationen des individuellen Übergangs bewältigen. Das Video ist auf YouTube zu finden:  https://youtu.be/5G94fyJ1beE

Mit dem „Magischen Kubus“ Übergänge spielerisch gestalten

Sigrid Engelbrecht

Neben der Fishboul-Diskussion und dem Video bot die Projektgruppe Übergänge 60plus einen Schnupperkurs zum „Magischen Kubus“ an. Kursleiterin Sigrid Engelbrecht führte mit den Kursbesucher*innen eine Imaginationsübung durch, indem sie nacheinander Bildelemente aufrief, die jede*r für sich individuell in eigene Vorstellungen gestaltete und dazu Notizen aufschrieb. So entstand nach und nach die Imagination eines Gesamtbildes aus den Elementen Kubus im Wüstensand, seine Lage und Verankerung im Sand, die Reflexion des Sonnenlichts auf dem Material des Kubus, eine Leiter am Kubus, ein Schimmel an der Leiter, ein herankommender Sturm und Rosenrondell um diese Szene und anderes. Anschließend konnten sich die Teilnehmer*innen anhand von Listen mit Interpretationen zu den spezifischen individuellen Bilderfindungen ablesen, welche Merkmale ihre Persönlichkeit charakterisiert. Ein anregender Zugang zur Selbstbeschreibung und Selbstfindung, der auf starkes Interesse traf.     

Listen mit Zuordnung Bilderfindungen und Persönlichkeitsmerkmalen.

Text und Fotos: Ewald Schürmann

Arbeitsgruppe „ÜBERGÄNGE 60plus Volkshochschule Berlin Mitte“ stellt sich vor

In der Arbeitsgruppe ÜBERGÄNGE 60plus haben sich ältere Volkshochschuldozent*innen, seit dem Sommer 2018 im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Übergang vom Beruf in die Rente befasst. Die Arbeitsgruppe wird ab dem Herbstsemester 2019 an der Volkshochschule Berlin Mitte Veranstaltungen anbieten, die sich damit auseinandersetzen, wie der Übergang ins Rentenalter zur aktiven Lebensphase mit Chancen für neue Entwicklungen werden kann.

Die Themenabende sind als Impulse angelegt und sollen ausgewählte Ideen und Möglichkeiten vorstellen, wie sich Übergänge zwischen den Lebensphasen gestalten lassen. Dazu wird ein breites Spektrum an Formen von Präsentationen und Vorträgen, künstlerische Aktionen und Spielen, Exkursionen, Schnupperkursen und anderes gewählt. Das Experimentelle ist dabei das Element, um Lust auf Veränderungsprozesse zu machen. Gleichzeitig wird das Ideal eines Salons angestrebt, um mit der Gelassenheit des Alters in Muße interessante Gespräche führen zu können.   

Die Themen des Übergangs entfalten ein breites Spektrum von der Reflexion über die eigene Biografie und Lebensbilanz bis zu praktischen Überlegungen zu alltäglichen Problemen in der Altersphase. Angestrebt wird auch der Dialog zwischen den Generationen. Dabei kann es zum spannenden Austausch zwischen der Lebenserfahrung der Älteren und Innovationen der Jüngeren gehen. 

Das Rentenalter bietet großen Zeitgewinn für das Ausleben eigener Interessen. Gleichzeitig ist die Fülle an Möglichkeiten und Angeboten fast zu viel. „Die Veranstaltungen von ÜBERGÄNGE 60plus zielen darauf ab, Orientierung zu geben und individuell für sich selbst herauszufinden, was sich im Alter noch wirklich lohnt. Vor allem sind es Bildungsangebote, wie sie unter anderem auch von den Volkshochschulen vorgehalten werden. Um hier eine gute Wahl für Aktivitäten im Alter zu treffen, sollen die Veranstaltungen mit ihren ausgewählten Themen Hilfen bieten.